Bevor ein Kind Brustschwimmen lernt, sollte es sich zuerst im Wasser wohlfühlen. Das klingt selbstverständlich, wird beim Schwimmenlernen aber häufig unterschätzt.

Viele Eltern erwarten von einem Schwimmkurs zunächst, dass ihr Kind möglichst schnell die richtigen Arm- und Beinbewegungen lernt. In der Praxis beginnt guter Schwimmunterricht jedoch deutlich früher.

Ein Kind, das keine Angst vor Wasser im Gesicht hat, selbstständig taucht und sich im Wasser sicher bewegt, hat eine wesentlich bessere Grundlage für das eigentliche Schwimmenlernen.

Genau darum geht es bei der Wassergewöhnung.

Was bedeutet Wassergewöhnung?

Wassergewöhnung bedeutet nicht einfach, dass ein Kind schon einmal im Schwimmbad war.

Kinder sollen lernen, wie sich Wasser verhält und was mit ihrem Körper darin passiert. Sie sollen Vertrauen gewinnen und feststellen, dass sie sich im Wasser anders bewegen als an Land.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Wasser im Gesicht akzeptieren
  • den Kopf vollständig untertauchen
  • unter Wasser ausatmen
  • vom Beckenrand ins Wasser springen
  • gleiten
  • schweben
  • sich selbstständig im Wasser bewegen
  • wieder sicher zum Beckenrand gelangen

Diese Fähigkeiten bilden später die Grundlage für das Schwimmen.

Warum ist Tauchen so wichtig?

Ein häufiger Stolperstein beim Schwimmenlernen ist der Kopf.

Kinder, die unbedingt vermeiden möchten, dass ihr Gesicht ins Wasser kommt, verändern automatisch ihre Körperhaltung. Der Kopf wird weit nach oben genommen und der restliche Körper sinkt ab.

Schwimmen wird dadurch deutlich anstrengender.

Deshalb gehört das Tauchen für uns von Anfang an zum Schwimmenlernen. Ein Kind sollte lernen, den Kopf ohne Angst unter Wasser zu nehmen und kontrolliert ins Wasser auszuatmen.

Das hilft später nicht nur beim Brustschwimmen, sondern auch beim Kraul- und Rückenschwimmen.

Erst gleiten, dann schwimmen

Auch das Gleiten gehört zu den Grundlagen, die gerne übersprungen werden.

Dabei lernt ein Kind etwas Entscheidendes: „Das Wasser kann den Körper tragen.“

Wer eine gute Wasserlage entwickelt, benötigt weniger Kraft, um sich über Wasser zu halten. Darauf können anschließend Armzug und Beinschlag aufgebaut werden.

Wir beginnen deshalb nicht damit, möglichst schnell möglichst viele Meter zu schwimmen.

Eine saubere Grundlage macht das weitere Lernen häufig einfacher.

Wassergewöhnung kann unterschiedlich lange dauern

Manche Kinder kommen zum ersten Schwimmkurs und springen am liebsten sofort ins Wasser. Sie tauchen, öffnen vielleicht sogar die Augen unter Wasser und bewegen sich völlig selbstverständlich.

Andere Kinder sind deutlich vorsichtiger.

Vielleicht möchten sie zunächst nicht mit dem Gesicht ins Wasser oder halten sich am Beckenrand fest. Auch das gehört dazu.

Wie lange die Wassergewöhnung dauert, lässt sich deshalb nicht pauschal sagen. Sie hängt stark davon ab, welche Erfahrungen ein Kind vorher gemacht hat.

Das ist auch einer der Gründe, warum Kinder unterschiedlich lange brauchen, um schwimmen zu lernen.

Müssen Eltern mit der Wassergewöhnung bis zum Schwimmkurs warten?

Nein. Viele Grundlagen können Kinder schon lange vor ihrem ersten Schwimmkurs kennenlernen.

Dafür braucht es kein spezielles Trainingsprogramm.

Gemeinsam ins Schwimmbad gehen, durchs Wasser laufen, planschen, nach Gegenständen tauchen oder vom Beckenrand springen sind bereits wertvolle Erfahrungen.

Auch beim Duschen kann ein Kind lernen, dass Wasser im Gesicht nichts Unangenehmes sein muss.

Wichtig ist dabei, keinen Druck aufzubauen. Ein Kind, das sich gerade noch nicht traut zu tauchen, sollte nicht einfach unter Wasser gedrückt werden. Vertrauen entsteht durch positive Erfahrungen und nicht durch Zwang.

## Schwimmhilfen ersetzen keine Wassergewöhnung

Schwimmflügel und andere Auftriebshilfen können in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Sie vermitteln einem Kind aber nicht automatisch ein realistisches Gefühl dafür, wie sich der eigene Körper ohne Unterstützung im Wasser verhält.

Wer ausschließlich mit starken Auftriebshilfen im Wasser ist, erlebt eine andere Körperposition als beim späteren selbstständigen Schwimmen.

Deshalb sollten Kinder – unter unmittelbarer Aufsicht – auch Erfahrungen sammeln können, bei denen sie ihre eigene Wasserlage kennenlernen.

Eine Schwimmhilfe sollte dabei niemals mit Schwimmsicherheit verwechselt werden.

Gute Wassergewöhnung kann das Schwimmenlernen erleichtern

Ein wassergewöhntes Kind muss im Schwimmkurs nicht gleichzeitig gegen Unsicherheit und eine neue Bewegung kämpfen.

Es kennt bereits das Gefühl des Tauchens, kann ins Wasser ausatmen und hat erste Erfahrungen mit Gleiten und Wasserlage gesammelt. Dadurch kann mehr Aufmerksamkeit auf die eigentliche Schwimmtechnik gelegt werden.

Das bedeutet nicht, dass jedes wassergewöhnte Kind automatisch besonders schnell schwimmen lernt. Koordination, Alter, Konzentration und das individuelle Lerntempo spielen weiterhin eine Rolle.

Die Voraussetzungen sind aber deutlich besser.

Wassergewöhnung ist der erste Teil des Schwimmenlernens

Wir betrachten Wassergewöhnung deshalb nicht als etwas, das vor dem „richtigen“ Schwimmunterricht erledigt werden muss.

„Sie ist bereits ein Teil des Schwimmenlernens.“

Tauchen, Atmung, Gleiten und Wasserlage bilden die Grundlage, auf der später die Schwimmtechnik aufgebaut wird.

Wer diese Schritte überspringt, gewinnt vielleicht am Anfang etwas Zeit. Später müssen fehlende Grundlagen aber häufig nachgeholt werden.

In unseren Kinderschwimmkursen in Wasserburg am Inn beginnen wir deshalb nicht einfach mit Armzug und Beinschlag. Wir schauen zunächst, welche Erfahrungen ein Kind bereits mitbringt und bauen die notwendigen Grundlagen Schritt für Schritt auf.

Das Ziel ist schließlich nicht, möglichst schnell irgendwie 25 Meter zu schaffen. Kinder sollen lernen, sich sicher und selbstverständlich im Wasser zu bewegen.

In unserem Kurskonzept, wurden all diese Schritte integriert und bilden das Fundament für alle weiteren Schwimmtechniken. Wenn Eltern bereits vor dem Schwimmkurs anfangen, erhöht sich der Spaß für die Kinder und schont den Geldbeutel der Eltern.

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