Welche Muskeln werden beim Schwimmen beansprucht?
Schwimmen ist eine Ganzkörperbewegung. Beim Kraulschwimmen arbeiten Arme, Schultern, Rücken, Rumpf und Beine nicht unabhängig voneinander. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht eine stabile Wasserlage und einen effektiven Vortrieb.
Besonders viel Arbeit übernimmt beim Kraulschwimmen der Oberkörper. Untersuchungen zeigen, dass der überwiegende Teil des Vortriebs über die oberen Extremitäten erzeugt wird. Je nach Untersuchungsmethode, Geschwindigkeit und Schwimmer werden Größenordnungen von ungefähr 80 bis 90 Prozent beschrieben. Der Beinschlag trägt ebenfalls zum Vortrieb bei, übernimmt aber zusätzlich wichtige Aufgaben bei Stabilität, Körperposition und Rhythmus.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Kraulschwimmen hauptsächlich aus Armkraft besteht. Ein kräftiger Armzug bringt wenig, wenn der Rumpf instabil ist, die Hüfte absinkt oder die Bewegung der einzelnen Körperbereiche nicht aufeinander abgestimmt ist.

Die wichtigsten Muskelgruppen beim Kraulschwimmen
Beim Kraulen sind zahlreiche Muskeln gleichzeitig beteiligt. Besonders relevant sind:
| Bereich | Wichtige Muskulatur | Aufgabe beim Kraulschwimmen |
| Rücken | Latissimus, Rhomboideen, Trapezmuskel | Armzug, Schulterblattkontrolle |
| Schulter | Deltamuskel, Rotatorenmanschette | Armführung und Stabilisation |
| Brust | Pectoralis major | Unterstützt die Bewegung des Arms unter Wasser |
| Arme | Trizeps, Bizeps, Unterarmmuskulatur | Ellenbogenbewegung und Kraftübertragung |
| Core | Gerade und schräge Bauchmuskeln, tiefe Rumpfmuskulatur | Wasserlage, Rotation und kraftübertragung |
| Beine & Hüfte | Gesäß, Hüftbeuger, Quadrizeps, Hamstrings, Waden | Beinschlag, Stabilität und Rhythmus |
Wichtig ist dabei: Kein Muskel arbeitet nur in einer einzigen Phase. Muskelaktivität überlappt während des gesamten Bewegungszyklus. Die Einteilung in einzelne Phasen hilft vor allem dabei, die Technik verständlicher zu erklären.

Rücken: entscheidend für einen kraftvollen Armzug
Einer der wichtigsten Muskeln beim Kraulschwimmen ist der Latissimus dorsi, der breite Rückenmuskel. Er unterstützt unter anderem das Heranführen und Zurückführen des Oberarms und ist deshalb stark an der Unterwasserbewegung beteiligt.
Auch die Muskulatur rund um die Schulterblätter spielt eine wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise die Rhomboideen und verschiedene Anteile des Trapezmuskels. Sie sorgen dafür, dass sich das Schulterblatt kontrolliert bewegt und eine stabile Basis für die Armbewegung entsteht.
EMG Untersuchungen zeigen eine deutliche Beteiligung verschiedener Muskeln des Oberkörpers während des Kraulschwimmens. Dazu gehören unter anderem Brust, Bizeps, Trizeps und weitere Muskeln der Armbewegung.
Warum ist der Rücken beim Kraulen so wichtig?
Der Rücken erzeugt nicht einfach nur Kraft. Er hilft dabei, den Arm so zu bewegen, dass Hand und Unterarm effektiv Druck auf das Wasser ausüben können.
Mehr Kraft ist deshalb nicht automatisch besser.
Ein technisch sauberer Schwimmer kann die vorhandene Kraft deutlich wirkungsvoller nutzen als ein stärkerer Schwimmer mit einem ineffizienten Armzug.

Schulter und Arme: Beweglichkeit trifft Stabilität
Das Schultergelenk besitzt eine enorme Bewegungsfreiheit. Genau diese Beweglichkeit benötigen wir beim Schwimmen, gleichzeitig muss das Gelenk während tausender Armzüge stabil geführt werden.
Hier kommen insbesondere der Deltamuskel und die Rotatorenmanschette ins Spiel.
Die Rotatorenmanschette besteht aus mehreren kleineren Muskeln rund um das Schultergelenk. Ihre Aufgabe besteht weniger darin, möglichst viel Vortrieb zu erzeugen. Sie stabilisiert vielmehr den Oberarmkopf während der Bewegung.
Bizeps und Trizeps unterstützen die Bewegung im Ellenbogengelenk und wirken abhängig von der jeweiligen Phase des Armzugs unterschiedlich stark.

Warum haben Schwimmer so häufig Schulterprobleme?
Schwimmen beinhaltet sehr viele wiederholte Überkopfbewegungen. Besonders bei hohen Trainingsumfängen können dadurch Schulterstrukturen stark beansprucht werden. In der sportmedizinischen Literatur gilt die Schulter deshalb als eine der häufigsten Problemregionen bei Schwimmern. Mögliche Faktoren sind unter anderem Überlastung, muskuläre Ermüdung, mangelnde Schulterblattkontrolle und Instabilitäten.
Deshalb sollte ein sauberer Armzug nicht nur möglichst kräftig, sondern auch kontrolliert ausgeführt werden.
Brustmuskulatur: mehr als nur Krafttraining
Der große Brustmuskel, der Pectoralis major, ist ebenfalls am Kraulzug beteiligt.
Seine anatomischen Funktionen passen zu mehreren Bewegungen, die wir während der Unterwasserphase benötigen. Dazu gehören unter anderem das Heranführen des Oberarms zum Körper und die Innenrotation.
Die Brustmuskulatur arbeitet dabei gemeinsam mit Rücken, Schulter und Armen.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum man beim Schwimmen nicht von einem einzigen „Antriebsmuskel“ sprechen sollte.

Der Core stabilisiert die Wasserlage
Der Rumpf bildet die Verbindung zwischen Oberkörper und Beinen.
Zu einer funktionierenden Core Muskulatur gehören unter anderem:
* Rectus abdominis * innere und äußere schräge Bauchmuskulatur * tiefe Bauchmuskulatur * Rückenstrecker * weitere stabilisierende Muskeln rund um Becken und Wirbelsäule
Beim Kraulschwimmen muss der Körper möglichst kontrolliert um seine Längsachse rotieren. Diese Körperrotation ist Bestandteil der Technik und unterstützt unter anderem die Koordination der Armbewegung. Untersuchungen zeigen, dass der sogenannte Body Roll eng mit Armzug und Körperposition verbunden ist.
Ein stabiler Rumpf bedeutet dabei nicht, dass der Körper komplett steif gehalten werden soll.
Das Ziel ist kontrollierte Stabilität.
Der Körper soll rotieren können, ohne dass Hüfte und Beine unkontrolliert seitlich ausschlagen oder die Wasserlage verloren geht.

Welche Aufgabe haben die Beine beim Kraulschwimmen?
Die Bedeutung des Beinschlags wird häufig entweder überschätzt oder unterschätzt.
Bei vielen Schwimmern liefert der Oberkörper den größten Teil des direkten Vortriebs. Der Beinschlag erfüllt trotzdem mehrere wichtige Aufgaben:
* Unterstützung des Vortriebs * Stabilisierung der Körperposition * Unterstützung der Hüftposition * Ausgleich der Körperrotation * Rhythmus und Koordination
An der Bewegung sind deutlich mehr Muskeln beteiligt als nur Quadrizeps und Wade. Hüftbeuger, Gesäßmuskulatur und hintere Oberschenkelmuskulatur spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Der Beinschlag sollte beim Kraulen überwiegend aus der Hüfte initiiert werden. Das Knie bleibt beweglich, sollte aber nicht die Bewegung dominieren.

Muskelketten statt einzelner Muskeln
Für die Schwimmtechnik ist es sinnvoller, nicht nur einzelne Muskeln zu betrachten.
Stell dir beispielsweise einen Armzug vor:
Die Hand stellt einen Kontakt zum Wasser her. Unterarm und Oberarm übertragen die entstehende Kraft. Rücken und Brust bewegen den Arm. Die Schulterblattmuskulatur stabilisiert die Schulter. Gleichzeitig stabilisiert der Core den Rumpf, während Hüfte und Beine die Körperposition unterstützen.
Genau diese Zusammenarbeit entscheidet darüber, wie effektiv eine Bewegung wird.
Man spricht deshalb häufig von einer Bewegung innerhalb einer kinetischen Kette.

Welche Muskeln arbeiten in den einzelnen Phasen des Kraulzugs?
Ein Kraulzyklus lässt sich je nach Modell unterschiedlich unterteilen. In der wissenschaftlichen Bewegungsanalyse wird häufig eine Einteilung in vier Phasen verwendet:
1. Eintauchen und Greifen 2. Zugphase 3. Druckphase 4. Rückholphase
Diese Einteilung wird auch zur Analyse der Armkoordination beim Kraulschwimmen verwendet.
Eintauchen und Greifen
Nach dem Eintauchen wird der Arm nach vorne ausgerichtet und der nächste Unterwasserzug vorbereitet.
Schulter, Schulterblattmuskulatur, Rücken und Core arbeiten dabei zusammen. Entscheidend ist weniger maximale Kraft als eine kontrollierte Position, aus der anschließend Druck auf das Wasser aufgebaut werden kann.
Zugphase
Mit Beginn der effektiven Rückwärtsbewegung von Hand und Unterarm beginnt die eigentliche Vortriebsarbeit.
Besonders stark beteiligt sind hierbei Rücken, Brust und verschiedene Muskeln des Arms.
Der Latissimus spielt eine wichtige Rolle, gleichzeitig unterstützen Brust, Schulter und Ellenbogenmuskulatur die Bewegung.
Druckphase
In der hinteren Unterwasserphase wird die Bewegung bis zum Verlassen des Wassers fortgesetzt.
Hier arbeitet unter anderem der Trizeps stärker an der Streckbewegung des Ellenbogens. Rücken, Brust, Schulter und Rumpf arbeiten weiterhin gemeinsam.
Rückholphase
Nach dem Verlassen des Wassers wird der Arm nach vorne geführt.
Die Anforderungen unterscheiden sich nun deutlich von der Unterwasserphase. Schulter und Schulterblatt müssen den Arm kontrolliert nach vorne führen, während der Rumpf die Körperrotation koordiniert.

Hinweis zur Grafik: Die farbigen Punkte zeigen die jeweils besonders relevanten Muskelgruppen vereinfacht. In der tatsächlichen Bewegung arbeiten deutlich mehr Muskeln gleichzeitig.
Warum gute Technik wichtiger ist als reine Kraft
Mehr Kraft führt im Wasser nicht automatisch zu mehr Geschwindigkeit.
Beim Schwimmen muss die erzeugte Kraft möglichst effektiv in Vortrieb umgesetzt werden. Gleichzeitig wirkt Wasserwiderstand gegen die Bewegungsrichtung. Deshalb spielen Technik, Wasserlage, Koordination und die Richtung der erzeugten Kräfte eine enorme Rolle.
Ein Schwimmer kann deshalb sehr kräftig sein und trotzdem langsam schwimmen.
Typische Ursachen sind beispielsweise:
* schlechte Wasserlage * ineffektives Wasserfassen * fehlende Körperspannung * unkontrollierte Körperrotation * unnötig große Widerstandsfläche * zu hoher Kraftaufwand in die falsche Richtung
Für schnelleres Schwimmen lohnt es sich deshalb häufig mehr, zuerst an der Technik zu arbeiten und anschließend die dafür notwendige Kraft gezielt weiterzuentwickeln.
Typische Fehlbelastungen beim Schwimmen
Schwimmen gilt als gelenkschonende Sportart, ist aber nicht automatisch frei von Überlastungsproblemen.
Besonders die Schulter wird durch die große Zahl wiederholter Armbewegungen stark beansprucht. Schulterbeschwerden sind deshalb bei regelmäßig und intensiv trainierenden Schwimmern gut dokumentiert.
Auch eine schlechte Körperkontrolle kann dazu führen, dass Bewegungen unnötig anstrengend werden.
Wichtig ist allerdings: Schmerzen lassen sich nicht allein anhand einer Schwimmtechnik erklären. Bei wiederkehrenden oder stärkeren Beschwerden sollte eine medizinische oder physiotherapeutische Abklärung erfolgen.

Trainiert Schwimmen den ganzen Körper?
Ja. Schwimmen beansprucht große Teile der Körpermuskulatur gleichzeitig.
Beim Kraulschwimmen übernehmen Rücken, Brust, Schultern und Arme einen großen Teil der Vortriebsarbeit. Die Core Muskulatur stabilisiert den Körper und unterstützt die Rotation. Hüfte und Beine sorgen für Beinschlag, Rhythmus und eine stabile Körperposition.
Gerade diese Kombination macht Schwimmen zu einer komplexen Ganzkörperbewegung.
Für bessere Leistungen reicht es jedoch nicht aus, einfach einzelne Muskeln stärker zu trainieren. Entscheidend ist, wie gut die Muskulatur innerhalb der Schwimmbewegung zusammenarbeitet.
Welche Muskeln werden beim Kraulschwimmen am meisten beansprucht?
Besonders relevant sind Latissimus, Brustmuskulatur, Schulter, Armstrecker und Armbeuger sowie die Rumpfmuskulatur. Auch Hüft und Beinmuskulatur sind permanent an Stabilisation und Beinschlag beteiligt.
Ist Schwimmen gut für den Rücken?
Beim Schwimmen wird die Rückenmuskulatur umfangreich beansprucht. Ob Schwimmen bei bestehenden Rückenbeschwerden geeignet ist, hängt allerdings von Ursache, Technik und Belastung ab.
Bekommt man durch Schwimmen Muskeln?
Regelmäßiges Schwimmtraining kann Kraft und muskuläre Leistungsfähigkeit verbessern. Wie stark Muskelmasse aufgebaut wird, hängt unter anderem von Trainingsumfang, Intensität, Ernährung und Trainingszustand ab.
Was ist wichtiger beim Kraulen: Arme oder Beine?
Für den direkten Vortrieb liefern die Arme beim Kraulschwimmen normalerweise den größeren Anteil. Die Beine bleiben trotzdem wichtig für Stabilität, Körperlage, Rhythmus und zusätzlichen Vortrieb.
Warum ist der Core beim Schwimmen wichtig?
Der Core stabilisiert den Rumpf, kontrolliert die Rotation und verbindet die Bewegungen von Oberkörper und Beinen miteinander. Dadurch kann Kraft effizienter durch den gesamten Körper übertragen werden.
Effizientes Schwimmen ist Teamarbeit
Beim Kraulschwimmen arbeitet praktisch der gesamte Körper.
Der Rücken unterstützt einen kraftvollen Armzug. Schulter und Arme kontrollieren die Bewegung. Die Brustmuskulatur beteiligt sich an der Unterwasserphase. Der Core stabilisiert Wasserlage und Rotation. Die Beine unterstützen Vortrieb, Balance und Rhythmus.
Entscheidend ist aber nicht, welcher einzelne Muskel am stärksten ist.
Gutes Kraulschwimmen entsteht durch das koordinierte Zusammenspiel der gesamten Bewegungskette.
Genau deshalb gehören Technik, Körpergefühl und gezieltes Training zusammen.
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